Medicine

Brief einer Mutter

Heute Nachmittag hat mich – als Reaktion auf mein Facebook-Posting zum Thema Antibiotika – der Brief einer vierfachen Mutter erreicht, den ich an dieser Stelle gerne mit euch teilen möchte.

Lieber Ben,

ich habe vor kurzem deinen Beitrag gelesen (Anm.: siehe FB-Thread zum Thema unkritische Antibiotika-Gabe vom 14.5.) und so über meine bzw. die Vergangenheit meiner Kids zu diesem Thema nachgedacht. 

Bei meinem ersten Kind war ich selbst noch ziemlich jung und unerfahren. Man will für sein Kind nur das Beste und sucht sich einen Arzt, von dem man meint, man könne ihm/ihr vertrauen. Solange die Kids einigermaßen gesund sind und man nur Kontrolluntersuchungen braucht, ist die Welt ja in Ordnung. Anders ist das erst geworden, als mein Großer in den Kindergarten begonnen hat.

Da haben dann die Wehwehchen begonnen und schließlich hat auch er Antibiotikum bekommen. Das hat sich dann so den ganzen Herbst und Winter über hingezogen, dass auch wir damals auf 7 mal gekommen sind. Antibiotikum als das „Allheilmittel“, bei dem man die Tage zählen kann, bis das Kind wieder Beschwerdefrei ist. Von Abwarten und den Körper mal selbst machen lassen, war damals nie die Rede. Und wenn ich ehrlich bin, ich habe es auch nie hinterfragt, denn wenn es der Arzt sagt, dann wird das schon passen…  

Ich glaube, so, wie ich damals gedacht habe, denken doch einige. Außerdem lässt einem die heutige Gesellschaft keine Zeit mehr zum „krank sein“. Da braucht man ja nur in die Privatwirtschaft schauen. Als ich krank war, hat meine Chefin auch gefragt, warum ich kein Antibiotikum bekommen habe. Dann hätte das nicht so lange gedauert, hat sie gemeint.  Bei meinem zweiten Kind habe ich schon etwas anders gedacht. Trotzdem waren wir den Ärzten oft ausgeliefert, da sie Asthma hatte und einmal sogar wegen eines Anfalls auf Intensiv kam.

Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich schon viel mit Kräutern und ihren Heilkräften beschäftigt. Ich finde das spannend und hab auch einiges ausprobiert. Vor allem Tees aus Schafgarbe, Brombeerblättern, Lindenblüten,… habe ich oft zubereitet. Bei Arztbesuchen fand ich mich immer öfter unverstanden. Pro Kind und Arztbesuch vier Medikamente waren normal. Und das dann bei drei Kids und später vier – da hat sich unser Medikamentenkasten rasant gefüllt und die Geldbörse ist schnell mal geschrumpft.

Ich habe dann auch oftmals abklären lassen, ob es eh nichts gefährliches ist und wenn nicht, die Medikamente zwar gekauft, aber abgewartet und meistens haben wir sie nicht gebraucht. Gekauft und abgewartet deswegen, weil die Ärzte sind ja nicht immer erreichbar und meistens sind die Kids am Donnerstag krank geworden. Dann hat man noch den Freitag um zum Arzt zu gehen und am Wochenende ist zwar Wochenenddienst, aber manche Ärzte sind dann wirklich beinhart und sagen, dass man nicht ihr Patient ist und wenn es einem nicht gut geht, dann soll man doch ins Krankenhaus fahren oder sich am Montag wieder beim Hausarzt melden.

Da hab ich mir auch mal gedacht, warum ich eigentlich zwei Stunden am Wochenende in einem Wartezimmer verbringe mit fiebernden Kindern, wenn man dann solche Antworten bekommt. Die eigenen Patienten allerdings haben von diesem Arzt geschwärmt – Hausarzt – Arzt des Vertrauens – … Bei meinen zwei kleinen Kids hat sich dann vieles geändert.

Nach einem einschneidenden Erlebnis mit meinem Kinderarzt habe ich gewechselt und bin das erste mal, so finde ich, so richtig ernst genommen worden. Es ist nicht mehr darauf geachtet worden, was man dem Kind alles verschreiben kann, damit man auf seinen Profit achtet, sondern auf das Wohlergehen des Kindes. Die Mädels sind gründlichst angeschaut worden und die Ärztin hat sich Zeit genommen und alles genau erklärt. Keine Massenabfertigung, keine unnötigen Medikamente und vor allem nicht sofort Antibiotikum, sondern vorher abklären, ob es überhaupt notwendig ist. Das kannte ich vorher nicht. Da hat es immer geheißen: „Probieren wir mal Antibiotikum…“.  

Aber hier sind wir mal wieder beim Gesundheitssystem und der Entlohnung der Ärzte. Privatärzte – die können es sich leisten, auf die Patienten Rücksicht zu nehmen. Dafür zahlt man, aber als Patient wird man nicht mit unnötigen Medikamenten vollgestopft, nur, damit man als Arzt überleben kann. Antibiotika haben so viele Nebenwirkungen, dass man ja auch gleich für die Nebenwirkungen was verschreiben kann usw.  Du hast schon recht, dass man mit Aufklärung vieles bewirken kann, aber da sind noch mehr Aspekte zu beachten.

Zum einen die Eltern, die ihrem Kind das Medikament geben, nachdem es ihnen der Arzt des Vertrauens verschrieben hat und die nur das Beste für ihr Kind wollen. Sie müssen gestärkt und unterstützt werden. Es ist nicht immer leicht zu akzeptieren, dass der Körper Zeit braucht, um wieder gesund zu werden und dass Antibiotika zwar schnelle Beschwerdefreiheit bieten können, aber das dass noch lange nicht heißt, dass man wieder gesund ist. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es mühsam ist, wenn das Kind krank ist und es für Eltern fast unerträglich ist, das eigene Kind leiden zu sehen. Man leidet mit und will, dass es schnell besser wird, aber mehr hat der Körper davon, so finde ich mittlerweile, wenn man ihm Zeit lässt und er das Problem selbst bekämpfen kann. (Das ist auch für Erwachsene oft schwer einfach nur abzuwarten – hab ich selbst erst akzeptieren lernen müssen).

Zum Anderen ein Arzt, der das Antibiotika-Problem ernst nimmt und der quasi Griffbereit und für die Patienten da ist, wenn sich der Zustand verschlechtert oder wenn sie Fragen haben. Man will ja nicht immer gleich ins Krankenhaus fahren und bei Fieber dort bleiben müssen. Außerdem gibt es neben Medikamenten auch noch Alternativen wie z.B. Tees oder Salben, etc. um den Körper beim Gesundwerden zu unterstützen. Werden diese Aspekte berücksichtigt, dann kann man, so finde ich, das Antibiotika-Problem in den Griff bekommen.  

Wir als Eltern sind dir daher unendlich dankbar, dass wir mit jedem Gesundheitsproblem zu dir kommen können und du unsere Einstellung – mit möglichst wenigen Medikamenten auszukommen – akzeptierst und trotzdem, wenn wir nicht weiterwissen, immer für uns erreichbar bist.  

Liebe Grüße und viel Erfolg mit deinem Vorhaben!

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