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Die Grippeschutzimpfung: Ein kurzer Mythen Check…

Wer kennt sie nicht? Die typischen ersten Symptome der Grippe: Hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, ausgeprägtes Krankheitsgefühl. Je nach Saison erkranken insgesamt 5 bis 20% der Bevölkerung, bei Kindern ist die Zahl mit 20 bis 35% sogar noch höher. Dabei gibt es ein wirksames Mittel um sich alljährlich gegen die Influenza bestmöglich zu schützen: Die Grippeschutzimpfung.

Gerade rund um die Grippeschutzimpfung halten sich hartnäckige Halbwahrheiten und Fehlinformationen, die die Impfbereitschaft der Bevölkerung leider zunehmend senken. Und das obwohl die Grippe jährlich über 1000 Menschen das Leben kostet – allein in Österreich! Das sind mehr Opfer, als beispielsweise durch Unfälle im Straßenverkehr. Aus diesem Grund möchte ich in diesem Artikel mit den häufigsten Mythen ein wenig aufräumen.

„Grippeimpfungen sind überflüssig, da die Grippe per se harmlos ist und mit Antibiotika behandelt werden kann.“

Falsch. Wie eingangs schon erwähnt, handelt es sich bei der Grippe keineswegs um eine harmlose Erkrankung. Dass sie für eine Vielzahl an tödlichen Verläufen verantwortlich ist habe ich eingangs schon erwähnt. Und bis heute stehen kaum Arzneimittel zu Verfügung, die gegen Grippe verursachende Viren beispielsweise so wirksam wären, wie Antibiotika im Einsatz gegen bakterielle Infektionen.

Übrigens an dieser Stelle meine stets wiederholte Kernbotschaft: Antibiotika wirken ausschließlich gegen Bakterien! Gegen Viren sind sie absolut machtlos. Der Grund: Antibiotika töten lebende Bakterien. Da Viren definitionsgemäß keine Lebewesen sind, kann man sie auch nicht töten. („Was tot ist, kann niemals sterben!“ – die Eisenmänner lassen grüßen).

„Die Grippe ist nur für ältere Personen gefährlich. Daher ist sie auch nicht im Impfplan empfohlen.“

Falsch! Die Grippeschutzimpfung ist Teil des Österreichischen Impfplans und generell für jedermann ab Vollendung des 7. Lebensmonats empfohlen. Zu den Risikogruppen, die sich unbedingt gegen die Grippe impfen lassen sollten, gehören Menschen ab Vollendung des 60. Lebensjahrs, Patienten mit chronischen Erkrankungen, Schwangere, sowie Menschen mit besonderer beruflicher Gefährdung bspw. Ärzte und Pflegepersonal.

„Kinder müssen nicht geimpft werden.“

Obwohl die Grippeschutzimpfung für Kinder momentan nicht vehement gefordert wird,  sind es dennoch die Kinder, welche mehrheitlich für die Verbreitung der Grippe verantwortlich zeichnen. Neuere Studien zeigen außerdem, dass das Impfen von Kindern wesentlich dazu beiträgt, eine epidemische Ausbreitung der Erkrankung zu verlangsamen oder sogar zu verhindern.

Die Hinweise, dass die Grippeimpfung für Kinder von großem Vorteil ist, mehren sich in der Literatur von Jahr für Jahr.

Übrigens: Für Kinder gibt’s den Grippe-Impfstoff auch als Nasenspray – das heißt, man kommt – bis auf den generell kindereigenen Arzt-Protest – meist ohne Tränen aus.

„Ich kann ja auch trotz der Grippeschutz-Impfung an einem grippalen Infekt erkranken.“

Das stimmt. Ein grippaler Infekt ist aber was anderes als die echte Grippe. Der Grippeimpfstoff schützt ausschließlich vor den häufigsten Virustypen der echten Grippe im jeweiligen Impfjahr. Gegen „die kleinen Geschwister der Grippe“, z.B. einfache Erkältungen und Infekte der oberen Atemwege schützt er leider nicht, da diese oft von ganz anderen Viren hervorgerufen werden.

Experten der WHO identifizieren jährlich die zum gegenwärtigen Zeitpunkt verbreitetsten Stämme der Grippeviren. Jedoch verändern Viren mitunter laufend ihre Erscheinungsform. Daher ist es möglich, dass die Impfung nicht jedes Jahr gleich gut vor einer Infektion schützt. Mitunter verhindert die Impfung also nicht die Infektion, meist aber ihre schwersten Verläufe.

„Durch die Grippeimpfung habe ich die Grippe erst recht bekommen – sicher nicht nochmal.“

Garantiert falsch! Die in Österreich verwendeten Grippeimpfstoffe sind inaktiviert und lösen daher keine Influenza aus. Die Influenzaimpfung ist meistens gut verträglich. Nach einer Impfung kann es aber generell zu milden Symptomen wie leichtem Fieber, Müdigkeit sowie Schwellungen oder Rötungen an der Injektionsstelle kommen. Man bedenke, dass sich das Immunsystem nach der Impfung im Großaufgebot gegen ein neues Antigen befindet – solche Symptome dürfen daher als große Feuerwehrübung betrachtet werden und gehören zu einer normalen Impfreaktion (bei manchen mehr, bei anderen weniger).

„Mit den Impfempfehlungen hilft man sowieso nur der Pharmaindustrie das große Geld zu machen…“

Höre ich immer wieder. Aber mal ehrlich… echt jetzt? Dieses Vorurteil ist einfach nur falsch! Der Österreichische Impfplan wird jährlich vom Bundesministerium für Gesundheit in enger Zusammenarbeit mit den Experten des Nationalen Impfgremiums überarbeitet. Er basiert auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und gibt klare, evidenzbasierte Empfehlungen wider. Denn aus Sicht der Pharmaindustrie ist das Geschäft mit Impfstoffen wenig attraktiv: zu teuer und Komplex ist die Herstellung von Impfstoffen im Vergleich zu herkömmlichen Arzneimitteln.

Fazit: Als Allgemeinmediziner kann ich die Grippeschutzimpfung uneingeschränkt empfehlen und allen meinen Patienten wärmstens raten, sich rechtzeitig impfen zu lassen. Für Fragen dazu stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung.


Vielen Dank an dieser Stelle an meine Frau Brigitte, die die Originalversion dieses Artikels verfasst und mir für meinen Blog zur Verfügung gestellt hat.

2 Kommentare

  1. Als langjähriger praktischer Arzt habe ich von Beginn der Grippeimpfung an diesen Standpunkt vertreten und den Beitrag daher mit großer Freude und Zustimmung gelesen!!
    PT

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